Bob Ross, der amerikanische Maler mit der legendären Lockenmähne und der sanften Stimme, hat einmal gesagt:
„There’s nothing wrong with having a tree as a friend.“
Und genau das finde ich auch.
Zum Tag des Baumes, der jedes Jahr am 25. April gefeiert wird, möchte ich dir erzählen, warum ich Bäume und den Wald so liebe. Ich teile ein paar richtig coole Fakten mit dir, stelle dir meinen Lieblingsbaum vor und erzähle von meinem schönsten Erlebnis mit einem Baum.
3 faszinierende Fakten über Bäume:
Wusstest du, dass…
…Bäume richtig schlaue Lebewesen sind?
Viele Pflanzen wie Blumen, Kräuter oder Gemüse leben ja nur ein Jahr. In dieser kurzen Zeit rackern sie sich ab, um so viele Samen wie möglich zu produzieren und ihre Art zu sichern. Ganz anders Bäume, die mehrere hundert Jahre alt werden können.
Da sie nicht fliehen können, wenn Gefahr droht – fest verwurzelt und keine Beine und so – haben sie über die Jahrtausende ganz besondere Überlebensstrategien entwickelt. Sie warnen sich gegenseitig über ihre Wurzeln oder über Duftstoffe vor Fressfeinden. Sie lagern Giftstoffe in ihre Blätter ein, um sich vor Schädlingen zu schützen. Und wenn sie verletzt werden, produzieren sie Harz, um die Wunde zu verschließen und sich vor Pilzen oder dem Borkenkäfer zu schützen.
Cool, oder?
Leider können sich mittlerweile viele Bäume nicht mehr gegen den Borkenkäfer wehren, weil sie durch die immer stärker werdende Trockenheit der Klimaerwärmung sehr geschwächt sind. Das macht mich traurig, denn es zeigt, wie verletzlich selbst diese uralten, starken Wesen geworden sind.
…Bäume soziale Wesen sind?
Bäume leben nicht isoliert vor sich hin. Sie sind über ihre Wurzeln und ein pilzartiges Netzwerk miteinander verbunden, das auch das „Wood Wide Web“ genannt wird. Über dieses Netzwerk kommunizieren sie, teilen Nährstoffe und pflegen sogar kranke Artgenossen. Das sagt zumindest Peter Wohlleben, der bekannte Förster, Autor und Waldexperte.
Ein eindrucksvolles Beispiel für diesen Zusammenhalt: Ein gefällter Baumstumpf, der noch jahrzehntelang weiterlebt, weil die benachbarten Bäume ihn über die vernetzten Wurzeln mit Zuckerlösung versorgen.
Wenn das nicht sozial ist, was dann?
…tote Bäume fast so wichtig sind wie lebende?
Bäume sterben aus verschiedenen Gründen: durch Sturm, starke Trockenheit, Menschen oder Schädlinge. Auch wenn es immer traurig ist, wenn ein Lebewesen stirbt, bleibt der Baum ein ganz wichtiger Teil des Waldes.
Denn als Totholz bietet er Lebensraum für unzählige Tiere und Lebewesen. Etwa ein Drittel aller im Wald lebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ist direkt oder indirekt auf Totholz angewiesen. Sie brauchen es entweder als Nahrungsquelle, Brutstätte oder Lebensraum.
Ein toter Baum ist also alles andere als tot. Er ist voller Leben.
Mein Lieblingsbaum: Die Birke
Ich finde im Grunde alle Bäume toll und eindrucksvoll. Aber ein Baum begleitet mich schon fast mein ganzes Leben: die Birke.
Als Kind habe ich eine Birke „geschenkt“ bekommen. Wir hatten drei bei uns in der Nähe des Hauses stehen. Eine davon war sozusagen meine, die anderen beiden gehörten meinen Schwestern. Als sie gefällt werden mussten, habe ich den Stamm meiner Birke behalten. Er ist immer noch Teil meines Lebens. Als Kleiderständer ziert er nun schon fast 15 Jahre meinen Eingangsbereich.
Die Birke hat für mich aber noch andere Eigenschaften, die ich so gerne mag. Da ist ihre weiche, weiße Rinde, wenn sie noch ein junger Baum ist. Oder die Tatsache, dass die Birke ein Pionierbaum ist. Wenn eine Waldfläche kahl geworden ist durch Rodung oder Waldbrand, dann ist die Birke eine der ersten, die sich wieder ansiedelt. Sie ist es, die den Boden für andere Baumarten vorbereitet. Sie trotzt Widrigkeiten, ist genügsam und braucht nicht viel. Sie ist zäh und pflegeleicht.

Wenn du mal nach Nordschweden kommst, wirst du viele Birken sehen. Die sind dann nicht so gerade wie bei uns in Österreich, sondern richtig krumme Gefährtinnen. Die Birken in Nordschweden sind wahre Überlebenskünstlerinnen. Sie wachsen nämlich aufgrund der enormen Schneelast und des anhaltenden Eises im Winter krumm. Die jungen Bäume biegen sich, aber aufgrund ihrer Flexibilität brechen sie nicht und bleiben dauerhaft in dieser Form.
Das beeindruckt mich jedes Mal. Diese Anpassungsfähigkeit. Diese Flexibilität eines so starken Baumes.
Fun Fact: Ich habe mir ein Birkenblatt auf mein Handgelenk tätowieren lassen. Blöderweise war das eine Spontanaktion und die Form des Blattes ist eigentlich nicht richtig. Aber ich mag’s trotzdem sehr.
Mein schönstes Erlebnis mit einem Baum
Ich spazierte durch den Wald und erkundete ein mir noch unbekanntes Waldstück aus. Mich zog es besonders stark zu einem Baum hin. Ich wollte mich daran lehnen, ihn umarmen und meine Wange an die raue Rinde legen – das mach ich manchmal weil es mich sofort beruhigt und entspannt.
Als ich das machte, hörte ich plötzlich ein komisches Klopfen. Es kam aus dem Innersten des Baumes.
Erst nach einer Weile habe ich gecheckt, dass weiter oben am Stamm gerade ein Specht arbeitet. Und das Klopfen des Spechtes wurde durch das Holz nach unten zu meinem Ohr getragen. Das hörte sich so toll an – ich kann es gar nicht in Worte fassen.
Ich fand den Moment soooo magisch und ehrwürdig. Zu wissen, dass ich gerade einem Specht so nahe bin, löste so viel Glück in mir aus.

Bob Ross hatte recht: Es ist nichts falsch daran, einen Baum als Freund und Begleiter zu haben. Im Gegenteil. Sie sind da, wenn ich sie brauche. Sie halten mich, wenn ich mich an sie lehne. Und sie erinnern mich daran, dass wahre Stärke auch Flexibilität bedeutet.
Hast du auch einen Lieblingsbaum? Oder ein besonderes Erlebnis mit einem Baum? Schreib mir gerne per Mail an hallo@waldweile.at. Ich freue mich, davon zu hören.
Waldige Grüße – Deine Franzi