Angst im Wald? 5 Tipps gegen die Panik und das Kopfkino

Im letzten Beitrag haben wir uns angeschaut, woher die Angst im Wald kommt. Heute wird es praktisch: Was kannst du konkret tun, wenn sie dich überrollt?

Egal, ob diese Angst rational begründet ist oder nicht – sie fühlt sich verdammt echt und intensiv an. 

Ich kenne das selbst nur zu gut. Und ich gebe ehrlich zu: Als ich in Schweden in meinem Häuschen im Wald saß und ich so richtig Angst hatte, hab ich all diese Tipps komplett vergessen. Ich hab mich einfach weiter gefürchtet.

Aber genau deshalb schreibe ich sie für dich auf, damit wenigstens du dich das nächste Mal daran erinnerst.

Tipp 1: Klopfen

Ich liebe ja die EFT-Klopfakupressur. Sie klingt zwar im ersten Moment vielleicht komisch, ist aber eine wunderbare Methode, um das Nervensystem zu beruhigen und Blockaden zu lösen. Man klopft dabei sanft auf bestimmte Punkte entlang der körpereigenen Energiebahnen (Meridiane). Das funktioniert im Grunde wie Akupunktur, nur eben ohne Nadeln. Durch das Klopfen kann die Energie wieder frei fließen und die Angst lässt nach.

In einer Akutsituation reicht dieser eine Punkt: Klopfe mit der flachen Hand sanft auf dein Brustbein, mittig auf deinem Brustkorb, etwas unterhalb der Schlüsselbeine. Mach das so lange, bis du merkst, dass du ruhiger wirst. Wenn die Angst gerade sehr stark ist, kann es sein, dass du automatisch fester und schneller klopfen willst – das ist völlig okay, vertrau da auf dein Gefühl. 

Tipp 2: Atmen

Bewusstes Atmen beruhigt unser Nervensystem nachweislich und ist eines der einfachsten Tools, die wir immer dabei haben. Ich bevorzuge die 4-8-Atmung, weil sie so simpel ist: Atme 4 Sekunden lang tief durch die Nase in den Bauch ein und anschließend 8 Sekunden lang durch den Mund wieder aus. Wenn du beim Ausatmen ein „Fffffff-Geräusch“ machst, wirkt das Ganze noch beruhigender.

Das lange Ausatmen aktiviert direkt den Parasympathikus, also den Teil deines Nervensystems, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Dein Körper kann gar nicht anders, als ruhiger zu werden.

Portrait Franziska
(c) Isabella Fahner

Tipp 3: Riechen

Unser Geruchssinn ist der einzige Sinn, der ungefiltert direkt ins Gehirn geht – direkt ins Limbische System. Wenn wir uns auf einen starken Geruch konzentrieren, priorisiert das Gehirn die Verarbeitung dieses Reizes und alles andere, auch die Angst, wird in diesem Moment zweitrangig.

Schnapp dir also ein Stück Moos und steck deine Nase rein. Oder such dir ein Stück Harz an einer Fichte oder Lärche. Du kannst auch Nadeln von einer Tanne oder Fichte in der Mitte durchbrechen, damit der Duft intensiver wird, und tief daran riechen. Das holt dich sofort aus deiner Gedankenspirale zurück in den Wald.

Tipp 4: Bewegen

Wenn Angst uns packt, versetzt sie unseren Körper in Alarmbereitschaft. Da steckt plötzlich eine Menge Energie drin, die raus will. Und die kannst du aktiv rausschütteln.

Schüttle deine Hände aus, als würdest du Wasser von den Fingern abschütteln. Wenn du magst, schüttle deinen ganzen Körper. So, als wärst du ein Hund, der gerade baden war. Mach das für 30 Sekunden. Das signalisiert deinem System: Die Gefahr ist vorbei, ich kann loslassen.

Tipp 5: Sprechen

Wenn Emotionen uns überwältigen, hilft es, sich die Realität laut vorzusagen. Ich meine das wirklich wörtlich: laut sprechen. Die eigene Stimme im Wald zu hören, beruhigt uns zusätzlich.

Ich sage mir dann zum Beispiel wie ein Mantra vor: „Der Luchs hat mich längst gehört und ist schon weg. Die Tiere hier wollen keinen Stress mit mir. Es gibt hier keine Massenmörder. Mir passiert nichts.“ Dein Gehirn braucht in solchen Momenten einfach ein konkretes Gegengewicht zum Kopfkino. 

(Hier kannst du nochmal alle Fakten zu den realen Gefahren nachlesen)

(c) Isabella Fahner

Kurz zusammengefasst:

  • Klopfen: Mit der Handfläche sanft aufs Brustbein klopfen.
  • Atmen: 4 Sekunden einatmen, 8 Sekunden ausatmen.
  • Riechen: Nase rein ins Moos, Harz oder an Nadeln schnuppern.
  • Bewegen: Hände, Arme, Schultern oder den ganzen Körper ausschütteln.
  • Sprechen: Laut daran erinnern, wie sicher der Wald wirklich ist.

Übrigens funktionieren diese Tipps nicht nur im Wald, sondern in jeder Lebenslage, in der dich die Angst einmal überrollen will.

Waldige Grüße – Deine Franzi