Im letzten Beitrag haben wir festgestellt: Die echten Gefahren im Wald sind überschaubar. Zecken, Sturm, ein aufgeschrecktes Wildtier. Das war’s eigentlich. Und trotzdem. Sobald es dämmert, passiert irgendwas mit uns.
Der Blick wird aufmerksamer, die Ohren werden gespitzt und beim kleinsten Knacksen im Gebüsch zucken wir zusammen. Da kann der Verstand noch so oft sagen, dass da eh nichts ist – das Herz klopft uns bis zum Hals.
Aber warum ist das so? Und warum hilft uns unser logisches Denken in diesem Moment so gar nicht weiter?

Unsere Urangst aus der Steinzeit
Das Ganze liegt daran, dass wir eine Angst in uns tragen, die uralt ist. Unsere Vorfahren in der Steinzeit hatten richtig gute Gründe, die Dunkelheit zu fürchten. In der Nacht waren die Raubtiere unterwegs und man hat einfach nicht gesehen, was da auf einen zukommt. Überlebt haben damals nur die Vorsichtigen, die bei jedem Rascheln lieber einmal zu viel als einmal zu wenig weggelaufen sind.
Diese Angst vor der Finsternis und dem Unbekannten steckt tief in uns drin. Unserem Körper ist es völlig egal, ob wir im gefährlichen Dschungel stehen oder im harmlosen Wald ums Eck. Er registriert nur: Es ist dunkel, ich höre komische Geräusche und ich sehe nichts.
Und zack – der Alarmmodus geht an. Das ist keine Schwäche von uns, sondern einfach die Evolution, die uns seit Jahrtausenden beschützen will.
Und dann kamen die Märchen und Filme dazu
Als ob diese Urängste nicht schon reichen würden, haben wir als Kinder auch noch jede Menge Geschichten gehört, in denen der Wald sehr oft zum Ort des Bösen erkoren wurde.
Denk mal an Hänsel und Gretel, die im Wald ausgesetzt werden und bei einer Hexe landen. Oder an Rotkäppchen und den bösen Wolf. Im Wald passiert immer irgendwas Schlimmes, man verirrt sich oder trifft auf Gestalten, die einem nichts Gutes wollen.

Diese Bilder haben sich in unserem Unterbewusstsein festgefressen, lange bevor wir groß genug waren, um das mal kritisch zu hinterfragen. Klar, im Märchen findet Schneewittchen im Wald auch Schutz, aber hängen geblieben ist bei uns meistens das Gruselige.
Und wenn wir dann noch Horrorfilme oder Krimis schauen, wo der Wald nachts immer als Kulisse für das Schlimmste herhalten muss, brennt sich das noch tiefer ein.
Ich erinnere mich zum Beispiel noch sehr gut an den Film „Blair Witch Project“ aus dem Jahre 1999. Hast du den auch gesehen? Als Millenial bin ich mit diesem Film aufgewachsen. Und obwohl ich mich nicht mehr so wirklich an die Handlung erinnern kann (und will), steigt mir immer noch jedes Mal eine Gänsehaut auf, wenn ich nur daran denke. Aber was ich noch weiß: Man hat nie genau gesehen, WAS da im Dunklen im Wald war. Und das war das Allerschlimmste.
Was das heute mit uns macht
Wenn wir jetzt als Erwachsene nachts im Wald stehen und plötzlich Panik kriegen, dann prallen zwei Welten aufeinander: unsere uralte Biologie und die ganzen Gruselgeschichten aus unserer Kindheit. Unser Verstand weiß zwar, dass alles okay ist, aber das ist der Angst ziemlich egal. Die sitzt viel tiefer und reagiert schneller als jede logische Überlegung.
Ich finde es im Grunde sogar ganz tröstlich, das so zu sehen. Wenn mein Puls im finsteren Wald nach oben schießt, heißt das nicht, dass ich feige oder irrational bin. Es heißt einfach, dass ich ein Mensch bin und mein Körper genau das tut, was er seit Ewigkeiten gelernt hat: auf mich aufzupassen.
Vielleicht hilft dieses Wissen ja auch dir, der Angst ein bisschen gelassener zu begegnen.
Im nächsten Beitrag schauen wir uns dann ganz praktisch an, was du tun kannst, wenn dich die Angst im Wald doch einmal so richtig überrollt.
Waldige Grüße – Deine Franzi