Angst im Wald – Themenreihe

Ich hatte immer schon diese romantische Vorstellung: Ein kleines Häuschen am Waldrand. Ruhe. Natur. Endlich mal richtig entspannen.

Also fuhr ich im Jänner nach Schweden. Eine Freundin bot mir für eine Woche ihr Wochenendhäuschen an – mitten im Wald, weitab von allem, ganz allein. Perfekt, dachte ich.

Die ersten Stunden waren wunderbar. Ankommen, auspacken, die Stille genießen, die Gegend erkunden.

© Claudia Gollob

Dann wurde es dunkel.

Und glaub mir, mit dem was dann kam hab ich absolut nicht gerechnet.

Ich hatte Angst! So richtig Angst! 

So sehr, dass ich mich nicht getraut habe, es auch nur eine Sekunde still werden zu lassen, aus Angst, dass ich Geräusche hören könnte die mir klar machen, dass da grad irgendwas draußen ums Haus streift. Es ließ also sogar beim Lesen Musik laufen (was ich eigentlich überhaupt nicht mag). Schlafen sowieso nur mit Ohrstöpsel, um nicht plötzlich aufgeweckt zu werden.

Ich hab mich auch nicht getraut, auch nur einmal aus dem Fenster zu sehen – die hatte ich natürlich alle mit Vorhängen oder Rollos dicht gemacht um mich nicht beobachtet zu fühlen – denn ich konnte einfach nichts sehen. Mitten in einem kleinen Laubwald – ohne Straßenlaternen, ohne Außenbeleuchtung – war es nämlich nicht nur dunkel, es war STOCKDUNKEL! Und somit einfach nur bedrohlich.

© Claudia Gollob

Erst am Morgen, wenn es wieder hell wurde, wagte ich es, die Vorhänge zu öffnen. Und endlich wurde ich ruhiger.

Diese Angst blieb die ganze Woche. Jeden Abend dasselbe. Sie wurde zwar von Tag zu Tag etwas leiser, aber erst als eine Freundin mich besuchte, konnte ich mich endlich wieder entspannen.

Rational war das natürlich alles überhaupt nicht. Das war mir absolut bewusst.

Das ist aber leider der Angst ziemlich egal. Die kickt voll rein, egal ob logisch oder nicht.

Dieses Erlebnis hat mich inspiriert, in den nächsten Beiträgen gemeinsam tiefer in das Thema einzutauchen: Woher kommt diese Angst? Was passiert dabei in uns? Und vor allem: Was können wir tun, wenn sie uns überfällt?

Denn wenn selbst ich, die sonst keine Angst allein im Wald hat, plötzlich stundenlang stocksteif im Häuschen sitze… dann bist du mit deiner Angst definitiv nicht allein.

Waldige Grüße

Deine Franzi